„Baron Löffelholz“

In dem literarischen Meisterwerk „Baron Löffelholz“ von Horst-Peter Regler ist die Geschichte des TC Vilseck der 70er und 80er Jahre authentisch wiedergegeben.

Im Folgenden einige Auszüge:

Kühne, wagemutige Männer unter der umsichtigen Leitung des Forstmannes M. rodeten Wälder, legten die Sümpfe trocken und errichteten schließlich unter unvorstellbaren persönlichen Opfern und Strapazen so etwas ähnliches wie Tennisplätze.

Bald schon fand sich in dem ebenfalls neu gegründeten Tennisverein eine Reihe von hoffnungsvollen und eine ebenso große Reihe von hoffnungslosen Talenten ein.

Und auch hier zeigte sich, wie in jedem Tennisverein der Welt, daß diejenigen Tennisspieler, die einer regelmäßigen und geordneten Arbeit nachgingen, schon sehr bald ins Hintertreffen gerieten. So der bereits erwähnte wackere Forstmann M., so der tüchtige Bäcker F., der brave Brauer W. oder gar der immer bestens ausgerüstete Holz­händler S.

So und nur so, gewannen bald die arbeitslosen Studenten R. S. und H. G. die totale Oberhand, insbesondere vor allem dann, als der ebenfalls arbeitslose Student und spätere Forstmann M. jun. schon nach kurzer Zeit den Verein verließ.

Zu den Vorgenannten gesellten sich bald der freie BayWa-Mitarbeiter und deshalb ebenfalls immer verfügbare F. T. und der noch arbeitslosere Dauerstudent H. Chr. R., übrigens ein Bruder unser Des Herrn R.

Die Entwicklung nahm einen ungewöhnlich positiven Verlauf und so stand in dem kleinen Städtchen V. bald eine schlag­kräftige Truppe für weitere Taten, von denen noch zu be­richten sein wird, zur Verfügung.

An übergroßem Kampfesmut ragte der bereits vorerwähnte Student H. G. heraus. Legendär und unvergessen seine wütende Aufforderung an einen schon etwas ältlichen Tennis-Doktor aus der großen Kreisstadt A., der Tennis wohl ganz unangebracht als die schönste Nebensache der Welt betrachtete, sich doch endlich zum Kampf zu stellen.

Seine Worte „Hau doch endlich mal einen g’scheiten Ball rüber und nicht immer so saublöde hohe Eier“ sollten dem verweichlichten Nachwuchs wie Donnerhall in den Ohren klingen.

 

Der Gipfel

Es ist ein ehernes Naturgesetz, daß der Weg zum Gipfel nur über den Aufstieg führt. Bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Eine alte Binsenweisheit ist es auch, je tiefer man gefallen ist, desto höher kann man wieder steigen!

Und tiefer als die Herrenmannschaft des TC im TuS konnte man nicht fallen!

Als Herr R. durch eine wundersame Fügung des Schicksals wieder in seinen alten Heimatverein zurückgekehrt, sich anschickte, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, war die „streitlustigste“ Mannschaft der gesamten nördlichen, vielleicht auch der gesamten Oberpfalz, gerade in die 4. Kreisklasse abgestiegen. Eine Klasse, so tief und erniedrigend, daß sie später von Mitleid empfindenden Funktionären abgeschafft wurde und der jungen Generation nicht einmal mehr dem Namen nach bekannt ist.

Welch eine Schande!

So tief können für alle Ewigkeit nicht einmal mehr die Nachbarvereine in F. und H. spielen.

Doch gerade in der Stunde der größten Schmach und der schlimmsten Erniedrigung zeigten die alten Tenniskrieger, angeführt von ihrem alten Häuptling, Herrn R., ihren wahren Charakter: Zusammenhalt statt Streit, ungebrochener Kampfesmut statt Resignation, kein Blick zurück im Zorn, sondern mit Eifer und Freude nach vorn! Es war der Beginn einer neuen Ära, eines beispiellosen Aufstiegs und schließlich des glücklichen Erreichens und Verweilens auf dem Gipfel, der Tennisbezirksliga! Sozusagen 3.000 m über dem Meere! Übertroffen nur noch von dem Erfolg der in der zweithöchsten deutschen Liga spielenden Damenmannschaft des eigenen Vereins! 4.000 m über dem Meere und über den Wolken!

Von ganz oben herabblickend kann man es aber schon noch erkennen – es war ein langer und schwerer Weg.

4., 3., 2., 1. Kreisklasse, Kreisliga, Bezirksklasse und endlich, nach drei vergeblichen Anläufen, die Bezirksliga!

Ein solcher Aufstieg, und davon ist Herr R. heute mehr den je überzeugt, kann überhaupt nur mit den richtigen Weggefährten, mit der richtigen Seilschaft, bewältigt werden.

Und wenn auch mancher Bergkamerad auf dem langen, mühsamen und beschwerlichen Weg zurückgelassen werden mußte oder selbst zurückblieb, wie z. B. bereits im Basislager I das ewige Jungtalent G. G. oder im Basislager II der nie ein Spiel verlorengebende Kamerad Dr. M. oder im letzten Basislager III das vielbestaunte Wunderdoppel – man mußte sich oftmals wundern – F. T. und H. Chr. R., so ist das Erreichen des Gipfels immer ein Erfolg aller von Anfang an beteiligten Expeditionsteilnehmer.

Um so glücklicher kann man aber sein, wenn fast alle Teilnehmer oder zumindest der Kern der Seilschaft den Gipfel erreicht haben oder in seine Nähe gelangt sind.

Herr R. empfand es als größtes Glück, all seine alten Weggefährten auf dem Gipfel zu sehen und schließlich noch

selbst mit dabeisein zu dürfen.

Stolz sollen ihre Initialen in das Gipfelbuch eingeschrieben werden: Franz T., Richard S., Hermann G., Horst Peter R.

Und mit ihnen sollen verewigt werden die Verstärkungen, die früher oder später hinzustießen: Roland R. und Hans E.

Und schließlich die jüngsten Gipfelstürmer, ohne die der Erfolg nie und nimmer zu schaffen gewesen wäre, die letztlich die alten Kameraden neu motivierten und, wenn diese schlapp machten, sie anseilten und nach oben zogen, die Extremalpinisten Eckhard P. und Sepp R.!

Doch in jede Stunde der größten Freude und des herrlichsten Triumphes mischt sich ein Tropfen Wermut und etwas Trauer in der Erinnerung an die alten Weggefährten, die nicht mehr dabei sein können oder einfach nicht mehr dabei sind.

Eine der schillernsten und farbigsten Gestalten (wörtlich zu nehmen, denn er spielte in Punktespielen am liebsten in blau, gelb, grün oder anderen Farben) war verloren gegangen, hatte sich kurz vor dem Gipfel selbst abgeseilt.

Im Hinblick auf seinen nicht wegzudenkenden Beitrag zum Erfolg, in Anbetracht der vielen schönen gemeinsamen Erlebnisse und Stunden und unter dem Motto „De mortuis nil nisi bene“ (über Gestorbene nichts außer Gutes), empfand Herr R. plötzlich das Verlangen, sich und seinen Freunden zu sagen: „Wir wollen ihm vergeben, den oft wußte er nicht, was er tat, und ihm ein freundliches, ehrendes Andenken bewahren.“